Unsere Schule

madhousepromo eeeVAL EEE600

 Exklusiv: Eine Szene zum Lesen!

 

 

 

 

madhousepromo eeeVAL EEE600

 

 

Probenphotos HIER

Das Stück wurde in allen Teilen von Kursteilnehmern verfasst. Lediglich der ein oder andere Handlungsstrang fiel einem Termindruck zum Opfer, der als "deus ex machina" über uns kam und uns zu erdrücken drohte. Schon kurz nach Ostern war die erste Szene dazu da - Unmut produktiv gewendet! Groß war die süße Versuchung bei der Thematik des Stückes, und wir sind ihr alle erlegen. Aber wir werden diese Szene (Arbeitstitel: "Der Kompromiss") nicht aufführen! Das hat nichts mit Weicheierei, Schere im Kopf oder anderem zu tun. Wie haben Handlungsstränge kürzen müssen, die für das Stück wichtiger gewesen wären, und womöglich noch immer sind! Eine Szene in eigener Sache unter solchen Umständen einzufügen, wäre nicht richtig gewesen. Das heißt aber nicht, dass wir sie Ihnen vorenthalten wollen.

 

Lesen Sie also im folgenden eine gestrichene Szenen. Viel Vergnügen!

 

 

Falkenbach sitzt bereits in seinem Büro. Es klopft an der Tür. Falkenbach hört den Walkürenritt von Wagner. Es klopft

 

Falkenbach: Ja, bitte! Ah, guten Tag, Jan-Friedrich, schön, dass Sie so schnell Zeit finden konnten. (Schüttelt Goldweins Hand) Und, uhm, warten Sie, warten Sie, ......... Marc Hunt, richtig?

 

Hunt: Richtig. Sehr erfreut! (Schüttelt Falkenbachs Hand)

 

Goldwein: (Dunkel) Ich habe diesen neuen ... Terminplan für die Bühne gelesen. (Klatscht einen Zettel auf den Schreibtisch) Ich gehe davon aus, dass Sie mich und Mister Hunt deshalb her baten?

 

Falkenbach: Dem ist tatsächlich so. Aber bitte nehmen Sie doch erst einmal Platz. (Alle setzen sich) Nun ja, der neue Terminplan. Sehen Sie, eigentlich wollte ich Ihnen das selbst sagen,... aber.... nun ja, ... Sie können die Bühne nicht für die gewünschten Probezeiten haben.

 

Goldwein: Ja, ich kann lesen, vielen Dank. Stattdessen steht hier "Kindertheater". "Kindertheater"? Im Ernst? „Kindertheater“?

 

Falkenbach: Ja, Jan-Friedrich. Kindertheater! Sie wissen doch, wir haben jährlich diesen Theaterworkshop für Kinder und die haben halt jedes Jahr eine Aufführung. Das müssen wir berücksichtigen.

 

Goldwein: Ja, und Sie haben mir meine Planung schon vor einem halben Jahr bestätigt, wieso jetzt so ein Scheiß?

 

Falkenbach: Also wissen Sie, die Eltern, die haben sich beschwert. Da mussten wir halt reagieren und eine Kompromisslösung finden.

 

Goldwein: "Wir"?

 

Falkenbach: Die Theaterleitung.

 

Goldwein: Sie sind die gottverdammte Theaterleitung! Und was für ein beschissener "Kompromiss" ist das hier? Haben Sie sich jemals über die Bedeutung des Wortes "Kompromiss" Gedanken gemacht? Ein Kompromiss funktioniert für beide Seiten! Ich habe demnächst die große Weltpremiere meines Meisterwerks, wie soll ich das in vier Wochen Proben schaffen?

 

Falkenbach: Ach, Sie und Ihr Team sind doch Profis, Sie kriegen das schon irgendwie hin.

 

Goldwein: Ich geb Ihnen gleich Profis? Profis am Arsch. Dieser inkompetente Haufen Laiendarsteller!

 

Hunt: Aber da muss es doch irgendeine Art Lösung für geben, nicht? Ich meine, mit Blick auf diesen Plan stelle ich fest, dass wir eigentlich immer die Spätproben haben können. Die Requisiten lassen sich dann doch einfach in einer Ecke zusammenschieben, oder?

 

Falkenbach: Ehm..., nun ja.., also, ...nein! Die gesamten Requisiten müssen raus. Wenn sie stehen bleiben, verwirrt das die Kinder. Die gewohnten Abläufe werden gestört.

 

Goldwein: Was? Sind die alle retardiert? Haben Sie überhaupt den Hauch einer Ahnung wie aufwändig es ist einen Kleinwagen, eine Orangensaftpresse und eine originalgetreue Nachbildung des Reaktorblocks 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl für jede verfickte Probe auf- und wieder abzubauen?

 

Falkenbach: Wofür brauchen Sie das eigentlich alles?

 

Goldwein: Pfft, also das ist doch wohl völlig offensichtlich.

 

Hunt: Da muss ich ihm aber Recht geben. Die Sache mit den Requisiten ist tatsächlich ein Problem. Ohne sie funktionieren die Proben einfach nicht.

 

Falkenbach: (ringt nach eine Eingebung) Klebeband! Sie könnten doch mit Klebeband die Stellen makieren, wo die Requisiten normalerweise stehen.

 

Goldwein: (nachäffend) Mit Klebeband die Stellen makieren, wo die Requisiten stehen. Wie viele Kinder haben Sie in ihrem Leben schon zu Gesicht bekommen, Theodor? Wie lange, glauben Sie, halten sich diese Klebestreifen. Fünf, vielleicht zehn Minuten?

 

Falkenbach: Wir werden natürlich die Betreuer darum bitten, darauf zu achten, dass Ihre Klebestreifen dort bleiben, wo sie sind!

 

Goldwein: Und die haben ja nichts besseres zu tun. Nein, das Klebeband wäre viel besser verwendet, wenn Sie die Drecksgören damit fesseln und in den Keller stecken würden, so wie man das in Österreich macht. Die haben doch alle keine Verständnis für Kunst, diese, diese, ... Kinder!

 

Hunt: Es gibt doch noch eine zweite Bühne, im Keller, hab ich gehört.

 

Falkenbach: (von dem Vorschlag begeistert) Die Kellerbühne, ... genau ... die können Sie doch nehmen!

 

Hunt: (zu Goldwein) Könnten wir nicht, bis das Kindertheater vorbei ist, da proben?

 

Goldwein: (theatralisch heulend) Die Kellerbühne, die Kellerbühne. Auf der Kellerbühne fressen lebendige Ratten tote Raten! Wissen Sie, wo man noch besser Proben könnte, als auf der Kellerbühne? Auf meinem Dachboden - und ich hab’ keinen Dachboden!

 

Falkenbach: Wie gesagt, das hier wurde besprochen und beschlossen, und daran ändert sich auch nichts mehr. Ich denke, das ist ein guter Kompromiss.

 

Goldwein: (steht auf) Und wie das nicht vorbei ist, Theodor. Sie schmeißen mich, den großen Künstler, für, für verdammtes Kindertheater von der Bühne? Ich werde dieses Stück machen, ob Sie das wollen oder nicht, gegen alle Widerstände.

 

Falkenbach: (reicht den Terminplan zurück) Selbstverständlich. Aber nach diesem Plan, Jan-Friedrich!

 

Goldwein und Hunt gehen ab und denken sich ihren Teil.

 

(Gwydion Weber)