Unsere Schule

 

Der Literaturkurs

des 12. Jahrgangs 2015/016

an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule 

 
 
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Mittwoch,  den 29. Juni 2016 - 19.00 Uhr

Premiere

Bürgerhaus Nievenheim (Mensa) - Kein Eintritt!

(ca. 90 Minuten - keine Pause)

 
 
 
 
 Im Folgenden:

4 Texte zum Projekt & Stück

  61 Probenfotos

Werbefotos

Rollen & Darsteller

 

Zu einer Kritik HIER klicken

 
 
 
 
 
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Wie alles begann

Ich suchte ein Werk.

Das letzte Stück, welches auf unserer Schule gespielt wurde, war von Dürrenmatt.
Meiner Meinung nach, ist er ein klasse Dramatiker. Also habe ich geschaut, welche Stücke er geschrieben hat. Außerdem waren wir von seinem Stück aus dem letzten Jahr ''Der Besuch der alten Dame'' begeistert und hatten die Aufführung als Vorbild gesehen.

Ich bin auf das Stück ''Ein Engel kommt nach Babylon'' gestoßen. Ich hatte von diesem Werk noch nie etwas gehört. Aber Babylon weckte mein Interesse. Babylon kennt man nämlich aus der Bibel, als eine Stadt der Sünden (neue Religionen bildeten sich, Bilder und Gegenstände wurden angebetet und übernatürliche Kräfte spielten ebenfalls eine große Rolle). Der König Nebukadnezar II war ein König Babylons, der nach Reichtum strebte und sein Nachfolger war Nimrod. Beide werden auch in der Bibel erwähnt.

Beim späteren Recherchieren zu meiner Rolle fand ich dann heraus, dass es den in dem Stück erwähnten Lohnpolizisten Marduk tatsächlich gegeben hatte. Er war jedoch der Legende nach ein Stadtgott Babylons, der später zum obersten Gott gewählt wurde. Ebenfalls kennen wir aus den Geschichten der Bibel Utnapischtim, aber in einem anderen Zusammenhang. Das ist der eigentliche Name des uns bekannten Noah, der die Arche gebaut hat. In dem Stück "Ein Engel kommt nach Babylon" steht Utnapischtim für einen Priester.

In dem Kontext des Stückes aber, wird in die Stadt eine Gnade Gottes gebracht. Dieser Widerspruch, dass eine Gnade Gottes in die Sündenstadt gebracht wird, brachte mich dazu, das Stück im Kurs vorzustellen.

Dieses hat den Kurs jedoch nicht wirklich überzeugt und nur eine Handvoll fand, dass  in dem Stück ein großes Potenzial läge.

Dann kam die Idee einer Schülerin, selbst ein Stück zu schreiben. Wir wussten natürlich, dass es keine einfache Aufgabe war, immerhin hatten wir schon Zeit bei der Suche verloren. Aber wir haben uns auf das Experiment eingelassen. Schnell kamen wir jedoch an unsere Grenzen. Es war schon nicht einfach, einen Grundriss zu entwickeln. Und somit ist unsere Idee  eines selbst geschriebenen Werkes gescheitert.

Ich gab nicht auf, und holte meinen Vorschlag nochmal hervor. Nun gab es eine andere Ausgangsposition. Und als wir alle angefangen haben, das Stück zu lesen und später zu spielen, waren immer mehr und mehr vom dem Stück überzeugt.

Die Arbeit an dem Stück ist trotzdem alles andere als einfach gewesen. Die Rollenverteilung hat uns Probleme bereitet und auch der Bühnenaufbau wurde immer wieder verschoben. Oft haben wir leider gezweifelt, ob wir es überhaupt schaffen, das Stück aufführen. Jetzt fangen einige Szenen schon richtig an zu leben.

Estera Kowalczyk
 
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Rollen

& ihre Darsteller

 

Engel

Marie Reuter

Kurrubi

Angelina Tsoukalas

Akki, der Bettler aus Babylon

Paul Lenk

Nebukadnezar

Tim Overtheil (Literaturkurs 2014/2015)

Nimrod

Sven Konitzer

Der Kronprinz

Simon Schmitz (Jg. 11, demnächst Literaturkurs 2016/2017)

Erzminister

Ryan Knebel

Obertheologe/ Utnapischtim 

Aylina Feiser

Erster Soldat

Melina Gievers

Zweiter Soldat

Gina Rohr

Polizistin

Premiere: Sebastian Müller (Literaturkurs 2014/2015)

2. Aufführung: Lara Koch

Bankier/ Enggibi

Leonid Tetera

Weinhändler Ali

Hendrik Lüneburg

Die Hetäre Tabtum

Melina Huremovic

Erster Arbeiter

Elissa Huremovic

Zweiter Arbeiter

Ronja Schönell

Erste Arbeiterfrau

Gina Rohr

Zweite Arbeiterfrau

Melina Gievers

Die Feierliche (Die Henkerin)

Safira Müller-Alpers

Die Eselmilchverkäuferin

Estera Kowalczyk

Ein Dichter

Ronja Schönell

Der Page (aus dem Off)

Estera Kowalczyk

Omar der Taschendieb

Simon Schmitz (Jg. 11, demnächst Literaturkurs 2016/2017)

Youssuf

Gianni Warzecha (Jg. 11, demnächst Literaturkurs 2016/2017)

Halef (aus den Off)

Simon Schmitz (Jg. 11, demnächst Literaturkurs 2016/2017)

Licht:

Raphael Schenk

Gianni Warzecha (Jg. 11, demnächst Literaturkurs 2016/2017)

Requisite:

Melina Huremovic

Sebastian Müller (Literaturkurs 2014/2015)

Souffleusen:

1. Akt: Julia Schumacher

2 Akt: Aylina Feiser

3. Akt: Safira Müller-Alpers

 Dispatching:

Estera Kowalczyk

 

Regie u. Gesamtleitung:

Stefan-G. Schnorr

 
(Gina Rohr)
 
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Zu Dürrenmatts

"Ein Engel kommt nach Babylon"

Dürrenmatts grotesk-mystische Komödie über die verspielte Gnade war als erster Teil einer Trilogie über den Turmbau zu Babel geplant. Es blieb jedoch bei diesem ersten Teil. Dürrenmatt hat es nicht mehr geschafft einen weiteren Teil zu schreiben, der sich mit dem Thema des „Turmbaus zu Babel“ beschäftigt.
Dürrenmatt wollte eine Distanz zum Publikum und seinen Werken schaffen um die Zuschauer zum Nachdenken zu bewegen. Dazu benutzt Friedrich R. Dürrenmatt das Stilmittel der Verfremdung. Hinterfragt wird das allgemein Anerkannte oder die Widersprüchlichkeit gesellschaftlicher Strukturen. Dürrenmatt entwickelt seine eigene Art der Tragikomödie, eine Mischform von Tragödie und Komödie.

Die Ideen Dürrenmatts sind in dem Stück sehr gut zu erkennen.Es ist ein sehr interessantes, spannendes Stück, in welches man sich gut hinein versetzten kann. Emotionen wie Empörung, Lächerlichkeit, Abscheu, Wut und Überraschungsmomente sind für die Zuschauer garantiert.

Estera Kowalczyk
 
 
 
 Probenfotos
 
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Ich hoffe,

ich kann Sie von diesem Werk überzeugen.

Das Stück verwirrte mich und hat mich auf sehr viele Fragen und Zusammenhänge gebracht. Man kann viele Gemeinsamkeiten mit der Bibel erkennen. Aber dieses Werk zeigt auch durch eine eigene, spezielle Art und Weise wie hoffnungslos und auch manipulativ diese Welt sein kann. Hoffnungslos in Hinsicht auf den König, den eigentlich keiner auf dem Thron sitzen haben möchte und manipulativ durch das Verhalten von Politik, Wissenschaft oder Kirche, die Dinge sogar abstreiten auch wenn man diese nicht mehr abstreiten kann.

Auch wird ein gewisser Zwang und Egoismus deutlich. In der Hinsicht zum Beispiel, dass Menschen, egal in welcher Lage diese sind, immer nur auf ihre eigenen Vorteile schauen, aber dabei nicht bemerken, dass sie durch ihren Egoismus sich selbst verlieren und alles andere ebenfalls. Ein Bettler hat am Ende mehr als jeder, der nach dem Reichtum gestrebt hat. In materieller, aber auch in ideeller Hinsicht.

 Estera Kowalczyk
 
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Dank an die Helfer aus der 10E
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Aline Jakob
Lukas Klose
Melissa Klünder
Simon Schäfer
Janina Verhoeven
 
 
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Ein Engel
kommt nach Babylon


Venite faciamus nobis civitatem et turrim, cujus culmen pertingat.

Einfache Dinge werden oft unnötig verkompliziert. Aber neben einer Erfolgsgeschichte des Unternehmens Mensch schleicht -oft im Schatten- ein mulmiges Gefühl mit umher. Das Buch Genesis (Moses I) sagt es uns. Und es klingt eher wie eine prophetische, nicht gerade Gutes verheißende, Ahnung: Es könnte sein, daß die Menschen die Möglichkeiten ihrer Existenz überspannen. "Nichts von dem, was sie vorhaben, wird ihnen unmöglich sein". Genozide, Overkills, Klone, Chimären.... . Bei solchen Beispielen wird sich vermutlich  relativ schnell eine Art kollektive Zustimmung zur Ablehnung einstellen.

Schauen wir bei Dürrenmatt genauer hin, dann tut sich abseits der selbstredenden technischen Hybris noch eine Art sozialer Hybris auf. Alle leben auf Staatskosten und folgen dem Anforderungs- und/oder Interventionskatalog unserer modernen sozialrevolutionierten Wohlfahrts-Staaten.  Mehr Beschäftigung im öffentlichen Dienst. Prämien zum Abwracken und Updaten. Und überhaupt, Geld einfach so, als Bürgergeld, Helikoptergeld oder Grundeinkommen. Vieles mag an solchen Ideen noch unklar sein, die Unterstützung nur partiell. Aber machen wir uns nichts vor. Der moderne Turmbau hat bereits begonnen.  Revolutionen heute sehen anders aus, als man das in früheren Jahrhunderten ersehnte oder befürchtete. Der Bürger oder der Untertan, je nachdem, die sich zu etwas Revolutionärem emanzipieren sollten, scheinen eher zu postrevolutionären Objekten staatlicher Beglückungspolitik degradiert zu werden. Sind wir nicht sicher, dass  sie es merken! Vielmehr: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.

Der Bürger als konditionierter Wurstschnapper! Frei nach dem bekannten Pawlowschen Experiment. Vor dem Horizont der Entscheidung über ersehnte oder befürchtete Systemfragen bleibt für  jene, die an mehr als lediglich Durchwursteln interessiert sind, mit Dürrenmatt, nur eine verstörende Alternative: Sein in klarer, unverquaster Anarchie oder Sein in klarer, unverquaster Ordnung. Dürrenmatts Analyse lotet auch hier tiefer als seine Antworten!

Die, zugegeben, anzutreffenden menschlichen Selbstbesinnungen,  beispielsweise in Form einer Dialektik der Aufklärung oder Dialektik des Fortschritts wirken vor diesem Hintergrund eines neuen Turmbaus wie verharmlosende Euphemismen aus dem philosophischen Seminar. Fortschritt und die Moderne träumen da in Form ihrer Akteure, ihrer Baukästen und Pipelines bisweilen tatsächlich eine neue Welt, deren Schönheit mit Fug und Recht angezweifelt werden darf. Was für ein Symbol, wenn die Skepsis gegen eine solche Welt von Dürrenmatt einem Bettler überantwortet wird!

Der Turmsturz nach dem Turmbau sollte eine Art Weckruf sein. Vorsicht! Vermintes Gelände, abbiegen, Richtungswechsel! Mit Warnungen ist das aber so eine Sache. Sie werden oft einfach in den Wind geschlagen. Oder man hält sich die Ohren zu. Menschliche Hybris ist soetwas wie sich selbstbeschleunigender Autismus. Eine sich verselbständigte und abgekoppelte Gegengesellschaft von natürlichen Grundlagen.  Die babylonische Sprachverwirrung ist eine Art Geschwindigkeitsbegrenzung oder verkehrsberuhigte Zone. Sie soll entschleunigen, soll Wahrnehmung verbessern, den Blick für das Wichtige schärfen helfen  und schließlich ein Ausscheren aus dem Tross der Lemminge und am Ende Rettung ermöglichen. Statt dessen aber: Ich will Spaß, geb also Gas!

Wer von Engeln, Babylon und Ninive redet, muss die Rechnung mit Gott machen. Dem Sohn aus dem protestantischen Pfarrhaus ist dies keine abseitige Beiläufigkeit! Dürrenmatt: "Dies sei verraten...: Die eigentlich schmerzlichste Figur des Stückes ist Utnapischtim, der Theologe". Gerade weil das Übernatürliche -trotz mancher Überzeichnung - für Dürrenmatt Ernst zu nehmen und keine Petitesse ist.

Gigantismus, Gott und Gnade reihen sich so zu einem alliterativen Tryptichon, dessen drei Rahmen zwar klar identifizierbar sind. Nur was, wie und wo mit welchem Scharnier ausklappt, zusammenhängt oder gar sperrt - das ist der verborgene Fingerzeig, der sich -wenn alles gut geht-  als viertes "G" im Theater offerbart: Als Groteske. Als Groteske, die uns zurückverweist!

Dr. Stefan-Georg Schnorr

 
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 Fotos. St.-G. Schnorr (Filmanmutung SW: Ilford HP5 - Filmanmutung Col: Kodak Ektachrome E100G)

 
 

Beginn aller Vorstellungen entgegen anders lautenden Hinweisen jeweils um 19.00 Uhr

Zweite Aufführung entgegen anders lautenden Hinweisen am Montag, den 4. Juli 2016