Unsere Schule

abi3

 

Liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten!

Sie erinnern sich noch? 

  • 10. Juni 2013 - 9:30:06 Uhr
  • Demo-Raum Haus 3 - 
  • 3. Abiturientenversammlung 
  • Verkündung Abitur-Punktestand: Zulassung - Nichtzulassung - kurz vorher. 

Was werden die nächsten Minuten bringen? Abitur geschafft, Schule erledigt, abgehakt?

Oder: doch in weitere mündliche Prüfungen

Oder: nicht geschafft - was jetzt?

 

 

Sehr geehrter Herr stellvertretender Bürgermeister Sturm,

sehr geehrte Frau Gaspers, Schuldezernentin der Stadt,

sehr geehrter Herr Dr. Belke, Gründungsdirektor unserer Schule,

sehr geehrte Frau Krieger, stellvertretende Leiterin des Leibniz-Gymnasiums,

liebe Eltern und Angehörige,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

lieber Herr Oberstufenleiter Rimpler, 

liebe Jahrgangsstufenleiterinnen Frau Kees und Frau Klein,

liebe Gäste,

 

liebe Abiturientinnen, 

liebe Abiturienten!

 

Sie erinnern sich noch? 

  • 10. Juni 2013 - 9:30:06 Uhr
  • Demo-Raum Haus 3 - 
  • 3. Abiturientenversammlung 
  • Verkündung Abitur-Punktestand: Zulassung - Nichtzulassung - kurz vorher.

Was werden die nächsten Minuten bringen? Abitur geschafft, Schule erledigt, abgehakt?

Oder: doch in weitere mündliche Prüfungen

Oder: nicht geschafft - was jetzt?

 

Manchmal entschieden nur wenige Punkte über Gelingen und nicht Gelingen.

Sie, die Sie hier nun sitzen, Sie haben es geschafft!

 

Sie haben die Abituranforderungen erfüllt, Sie haben eine Fülle von unterschiedlichem Wissen erworben, Sie haben sich mit einem oder mehreren der sieben Schwerpunkte der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Dormagen auseinandergesetzt oder in einem oder mehreren gar besonders engagiert: 

 

  • den Sprachen, wichtig für die globale Kommunikation
  • der ästhetischen Erziehung, wichtig für Herz und Verstand
  • den Naturwissenschaften, wichtig etwa in der Chemiestadt Dormagen
  • dem Sport, wichtig für Körper, Zielorientierung und Konzentration
  • Beruf- und Studienvorbereitung, wichtig für den Weg, der jetzt beginnt
  • der Friedenserziehung im Sinne unserer Namenspatronin Bertha von Suttner, wichtig für ein friedliches Zusammenleben
  • Computer & Internet, sicherer Umgang mit Computer und Software, wichtig heutzutage und in Ihrer Zukunft in allen Berufen und Lebenslagen

 

Davon haben Sie viele Schattierungen mitbekommen hier bei uns, mitgenommen, hoffentlich.

Die Anspannung ist vergessen, die mündlichen Prüfungen vielleicht noch nicht ganz, das Foto hier ist vergessen..

Doch halt!!! Hier fehlt etwas! Wenn Sie nur Faktenwissen und Teile unserer Schwerpunkte mitnehmen, dann ist das zu wenig. Bloßes, geschicktes Hantieren mit Hardware und Software 

Das Foto ist nicht vergessen. Wir erfahren es seit einigen Tagen erst ganz langsam.

Nehmen wir einmal das Foto. Es wurde mit einem Smartphone aufgenommen, sofort danach in einer Cloud, in einer Wolke, gespeichert.

Gut, darauf habe nur ich mit meinen Zugangsdaten Zugriff. Keiner sonst. Dachte man.

Gerade lesen wir in den Zeitungen Berichte über massive Telefon- und Internetspionage.

Die Enthüllungen haben in Amerika eine heftige Debatte über die Abwägung zwischen Sicherheitserfordernissen und Bürgerrechten ausgelöst, liest man weiter.

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass sich der Geheimdienst GCHQ (Government Communications Headquarters) Zugang zu Internet-Knotenpunkten beschafft, dort „Unmengen von Daten“ abschöpft, die dann wiederum mit den Partnern von der NSA (National Security Agency) geteilt würden. Neben E-Mails, Einträgen im sozialen Netzwerk Facebook oder auch Telefongesprächen würden auch persönliche Informationen der Nutzer gespeichert und analysiert.

Das britische Spionageprogramm „Tempora“, das nach dieser Darstellung noch umfangreicher als das amerikanische Programm „Prism“ sein soll, sei seit eineinhalb Jahren in Betrieb. GCHQ habe es geschafft, schreibt das Blatt weiter, zur Beschaffung der Informationen zahlreiche Internet-Knotenpunkte anzuzapfen.

 

Was hat das mit dem Reifezeugnis zu tun, das Sie gleich erhalten werden?

Nun, um Sie auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, reicht es nicht aus, Sie mit Faktenwissen vollzustopfen. Genauso wichtig sind Kritikfähigkeit, Urteilskraft, Einschätzen von gesellschaftlichen Entwicklungen, politisches Engagement.

Auch hier haben wir uns bemüht, Ihnen Anregungen für Ihr persönliches und Ihr gesellschaftliches Leben mitzugeben.

 

Gut - das Foto, das wahrscheinlich längst in irgendwelchen Knotenpunkten archiviert ist, mag dort nicht so wichtig sein - schließlich ist es ein Beleg, dass Sie hier bei uns in den Abiturprüfungen waren. 

 

Halt! Man könnte feststellen, wer auf dem Foto ist und nicht auf der Abiturientenliste, Gesichter-Erkennung (facial recognition system) kein Problem.

Aber - welche Daten haben Sie nicht schon alle im Internet abgelegt, Daten, die keiner von uns mehr löschen kann?

Also - wir brauchen für uns und unsere Gesellschaft gut ausgebildete, gut informierte, kritische Menschen - reife Menschen. Das Abiturzeugnis ist mithin mehr als ein Leistungsnachweis - es ist ein Reifezeugnis.

In Abwägung zu Bedürfnissen der Sicherheit muss man Stellung nehmen können zu drei Kernanliegen,die wir uns mit Laufe der letzten Jahrhunderte erkämpft haben:

  • Freiheit 
  • Menschenwürde 
  • Selbstbestimmung

Dazu haben wir an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule versucht, Ihnen sowohl Faktenwissen zu vermitteln als auch Ihr Reflexionsvermögen anzuregen und auszubauen; man denke an die vielen Pro-und Contra-Unterrichtsstunden.

Man denke an die Aufforderung zur Kommentierung von Sachverhalten.

 

Ein Drittel von Ihnen hatte bei mir Englisch in der 11, da kam man um die Dystopie Nineteen Eighty-Four, 1984, von George Orwell nicht herum. Orwell hat mit großer Visionskraft schon Mitte des letzten Jahrhunderts in literarischer Form eindringlich auf die Möglichkeiten und Gefahren des totalen Überwachungsstaates hingewiesen.

 

In jeder Wohnung gab es einen Bildschirm, einen telescreen, so auch bei dem Protagonisten des Romans, Winston Smith:

Dies beschreibt Orwell gleich auf der zweiten Seite seines Werkes:

 

Der telescreen war gleichzeitig Empfangs- und Sendegerät. Jedes von Winston verursachte Geräusch, das über ein ganz leises Flüstern hinausging, wurde von ihm registriert. Außerdem konnte Winston, solange er in dem von der Metallplatte beherrschten Sichtfeld blieb, nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden. Es bestand natürlich keine Möglichkeit, festzustellen, ob man in einem gegebenen Augenblick gerade überwacht wurde. Wie oft und nach welchem System die Gedankenpolizei sich in einen Privatapparat einschaltete, blieb der Mutmaßung überlassen. Es war sogar möglich, dass jeder einzelne ständig überwacht wurde. Auf alle Fälle aber konnte sie sich, wenn sie es wollte, jederzeit in einen Appart einschalten. Man musste in der Annahme leben - und man stellte sich tatsächlich instinktiv darauf ein -, dass jedes Geräusch, das man machte, überhört und, außer in der Dunkelheit, jede Bewegung beobachtet wurde.

 

So weit George Orwell, 1984, erstes Kapitel.

 

Andere von Ihnen haben sich mit Aldous Huxleys Schöne neue Welt beschäftigt. Die Fragestellungen sind - wie man sieht - aktueller denn je. 

 

So bequem viele Dinge sind: unkomplizierte Handynutzung (vor, im oder nach dem Unterricht), schnelle Facebook-Mitteilung, SMS verschicken, E-Mail lesen, online Bücher kaufen, Reisen online buchen, Texte nicht mehr mit Schreibmaschine schreiben und endlos vieles mehr - 

Soll man nun auf diese hilfreichen technischen Möglichkeiten verzichten? 

Oder soll Sicherheit alles überwiegen?

Entweder - oder?

Doch so einfach ist die Lösung nicht. Und - gibt es überhaupt einen Ausweg aus dem Dilemma für mich persönlich, für Sie, für uns? 

 

Dazu eine kleine chinesische Fabel: 

Ein Schwein ging in einem engen Tal spazieren, um Futter zu suchen. Plötzlich spürte es, dass der Boden, auf dem es lief, feucht wurde. Das Schwein war etwas beunruhigt. 

 

“Hoffentlich bin ich nicht in einen Sumpf geraten”, dachte es und ging weiter. Doch der Boden wurde immer tiefer. Es dauerte nicht lange, da watete das Schwein mit seinen Füßen im Wasser. “Das wird mir zu gefährlich”, dachte es und kehrte um. Doch das Wasser stieg weiter. Es reichte bald bis zum Bauch des Schweins. Stellen, die zuvor trocken gewesen waren, standen nun völlig unter Wasser. “Ich muss versuchen, aus dem Tal herauszukommen”, dachte das Schwein, “aber die Bergwände an den Seiten sind zu steil.”

 

Das Schwein merkte, dass es sich in einem ausgetrockneten Flussbett befand, das sich nun unbarmherzig mit Wasser füllte. “Der Fluss wird sich in einen reißenden Strom verwandeln”, dachte das Schwein, “und ich werde ertrinken.” Tatsächlich reichte das Wasser dem Schwein schon bis zur Schnauze. 

 

Das Schwein überlegte: “Wenn ich meine letzte Kraft zusammennehme, um laut um Hilfe zu rufen, kommt vielleicht jemand und zieht mich heraus.” Also blieb das Schwein stehen und fing an um Hilfe zu rufen.

 

Es schrie und schrie. Doch es kam niemand, um das Schwein aus dem Fluss zu ziehen. Das Wasser stieg immer höher. Das Schwein schluckte schon Wasser. 

 

Schließlich schloss das Schwein seine Schnauze und fing an zu schwimmen. Da merkte das Schwein, dass es kein schwerfälliges Schwein mehr war, sondern sich in eine Ente verwandelt hatte.

 

Diese chinesische Fabel zeigt doch, dass man sich Veränderungen stellen muss, so schwierig sie sind, sie zeigt, dass man auf seine Fähigkeiten vertrauen muss, dann wachsen einem ungeahnte Kräfte, man kommt in der neuen Situation so gut zurecht wie eine Ente im Wasser.

Das ist ein Teil der Reife: 

an die eigenen Kräfte glauben

  • neue Situationen beherzt annehmen

Die Fabel löst nicht die angesprochene Problematik, diese muss von den Individuen der Gesellschaft - von uns - angegangen werden, aber die Fabel kann eine persönliche Orientierung geben.

 

Zur Reife gehören aber auch - und damit komme ich zum Ende meiner Abiturrede - Anstrengung, Erwerb von Fachwissen, das Setzen von Zielen, das Erreichen von Zielen. 

Das haben Sie hinbekommen - deshalb erwerben Sie nun den höchsten deutschen Schulabschluss, die Allgemeine Hochschulreife, das Abitur. 

 

Sie haben - das bestätige ich als Vorsitzender des Zentralen Abiturausschusses - die Bedingungen, die das Land Nordrhein-Westfalen für das Abitur gesetzt hat, erfüllt. 

 

Gemeint sind:

 

Amir Al Kassou

Kudar Al Kassou,

Florian Apelt

Arian Aria

Aylin Ayas

Onur Balcioglu

Eileen Barnes

Christian Benamar

Eliza Buhn

Michelle Bundesmann

Miriam Bürgel

Sarah Bürgel

Christof Czernik

Angeline Dittmann

Ingalisa Ebert

Sultan Etewi

Lisa Färber

Martin Gallus 

Leon Gerring

Mehmet Gövenc

Marcel Gruschka

Florian Haase

Sarah Hemmersbach

Timo Hermkes

Andreas Hutsch

Marina Klömich

Jennifer Kluth

Davina Anni Konkel

Pawel Kowohl 

Saskia Patricia Lahayé

Till Link

Kevin Lipinski 

Daniel Mestrum

Katharina Müllejans-Lukas

Jessica Münzer

Adrian Nauroth

Jan Neumann

Merve Nur Nurdogan

Asena Öztürk

Vanessa Peuker

Stefanie Piechaczek

Jessica Pukowietz

Semjon Rykow

Dennis Schendzielorz

Maurice Scheppeit

Lukas Schikora

Lydia Schmiedel 

Lars Schmitten

Christopher Schubert

Karina Schwarzer

Andreas Sixt

Marcel Sommerfeld

Egzon Spahija

Mauriz Spix

Charlotte Steiner

Lina Stöß

Julian Strusch

Elisa Thimm

Nuseybe Nur Topuz

Jonas Unger

Franziska Vahl

Meryem Yildiz

Kristian Zovkic 

 

Noch ein kleiner Schlenker für die, die heute als Gäste hier sind. Beim Verlesen der Namen haben Sie vielleicht bemerkt, dass diese auch unsere Gesamtgesellschaft abbilden, es sind Namen die beheimatet sind und waren in Deutschland, der Türkei, dem Irak, Moldau, Afghanistan, Polen, Albanien und anderen.

Und der Name Gesamtschule kommt nicht von ungefähr, er will unsere Gesamtgesellschaft abbilden und das hier ist der Beweis: Das Abitur ist nicht für bestimmte Schichten reserviert, alle müssen die Möglichkeit für eine offen angelegte Ausbildung und Bildung haben - auch wenn die Pubertät zwischendurch manche Stolpersteine in den Weg legt. 

 

Eine Vorsortierung nach Klasse 4 (mit 8, 9, 10, 11 oder 12 Jahren)  ist gesellschaftlich, ist für das Individuum kontraproduktiv. Doch der Zeitgeist hat sich gewandelt: längeres gemeinsames Lernen ist angesagt.

 

Name hin, Name her - liebe Abiturientia - Sie erhalten nun gleich Ihr Reifezeugnis!

 

Dazu gratuliere ich Ihnen im Namen der Schulleitung und des Kollegiums der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule ganz herzlich!

 

Ganz besonders danke ich an dieser Stelle dem Leiter unserer Oberstufe, Herrn Gesamtschuldirektor Rimpler, der mit großem Einsatz und hohem Verantwortungsbewusstsein, professionell seit Jahren unsere Oberstufe leitet und Sie bei Ihrer Arbeit tatkräftig, und wie man sieht, mit Erfolg unterstützt hat. 

 

Weiter bedanke ich mich bei Ihren Beratungslehrerinnen, Frau Oberstudienrätin Kees und Frau Studienrätin Klein, die Sie sicher durch Höhen und Tiefen der APO-GOSt, der Allgemeinen Prüfungsordnung gymnasiale Oberstufe, begleitet haben und Ihnen auch sonst in persönlichen Angelegenheiten stets mit Rat und Tat beiseite standen.

 

Bedanken möchte ich mich bei den Lehrerinnen und Lehrern, die Sie, zum Teil von der Klasse 5, bis hierher begleitet haben - durch gute und schlechte Zeiten. Ohne Ihren großen Einsatz und Ihre Geduld sähe manches anders aus. Aber es bedurfte auch Ihres schulischen Einsatzes und Ihres Durchhaltevermögens.

 

Lassen Sie mich schließen mit der Bemerkung, dass wir stolz auf Sie sind, dass Sie das Abitur bei uns an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Dormagen erreicht haben, und ich möchte dies verbinden mit einem herzlichen Glückwunsch zum Abitur – auch an Sie, liebe Eltern. Sie haben Ihre Kinder auf Ihrem Weg hierher begleitet.

 

Es ist eine schöne Tradition, dieses Ereignis - die Ausgabe der „Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife” mit einem festlichen Akt zu umrahmen. Wir werden Sie dazu nachher auf die Bühne bitten.

 

Viel Erfolg im Leben!

 

Dr. Volker Hansen

Schulleiter der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule

28. Juni 2013

Bürgerhaus Nievenheim