Unsere Schule

Lucas Cranach d.Ä. - Martin Luther, 1528, Collage: SZ
 
Zum 499. Male jährt sich am 31. Oktober der Tag, an dem Martin Luther eine weltweite, zumeist friedliche, Revolution in Gang setzte, die bis heute nachwirkt. Ein schöner Anlass, an ihn zu erinnern.

Dass Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine berühmten Thesen zum Ablasshandel an die Pforte der Schlosskirche in Wittenberg hämmerte, ist eher unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass er einen Brief schickte oder gar Flugblätter verteilte. Die technischen Voraussetzungen dazu gab es seit kurzem: Druckerpressen. Jedenfalls bewirkte Luther mit dem, was er zu sagen hatte, historische Umbrüche im Weltmaßstab. So ähnlich wie der Schmetterling, dessen Flügelschlag am Amazonas einen Wirbelsturm in Kansas/USA auslösen kann. Anlass war der sogenannte Ablasshandel der römischen Kirche. Sünder (oder die, die man dafür hielt) konnten ihre Höllenqualen im Jenseits mildern, wenn sie eifrig den Rosenkranz beteten, fasteten und vor allem tüchtig spendeten; was sie natürlich auch taten und dem Klerus die Taschen füllten. Luther setzte dem entgegen, dass es Erlösung aber so einfach nicht geben kann. Es brauche dazu etwas ganz anderes: Glaube und Gottes Gnade (Der Gerechte wird aus Glauben leben. Römer 1;17). Dies ist der Kern seines Denkens, das später mit dem Begriff Reformation (Wiederherstellung) bezeichnet wurde; der wichtigste Beitrag Luthers, um die Kirche zu erneuern (zu reformieren). Gott schenkt Gnade und Freiheit; unter diesem Motto wird das nun beginnende Lutherjahr stehen.

Martin Luther wandte sich offen gegen die Amtskirche, ein unfassbar skandalöser Vorgang - immerhin war Luther Mönch. Die Menschen sollten, so seine Forderung, sich selbst ein Bild machen, die Bibel lesen, das Wort Gottes aufnehmen, ohne dass ein "Medium", eben die Kirche, seine Auslegung vorschreibt. Doch das mit dem "Selbstlesen" war so eine Sache - die meisten Menschen konnten nicht lesen und schon gar nicht lateinisch. Die Bibel aber gab es gar nicht in einer deutschen Übersetzung. Also machte Luther sich ans Werk und übertrug die Bibel ins Deutsche. Außerdem hielt er Reden und verfasste eine Unzahl von Schriften, in denen er immer mehr Menschen überzeugte. Die neuen medialen Möglichkeiten (Druckerpresse, Buchdruck) befeuerten dies ungemein, vergleichbar nur noch mit dem Siegeszug sozialer Medien und des Internets in unseren Tagen. So ganz nebenbei setzte Luther mit seiner Bibelübersetzung einen neuen Standard für das Schreiben und Sprechen der deutschen Sprache und trug unzählige Redensarten (der Link führt zu einem umfangreichen Archiv Lutherischer Redensarten) in unseren Wortschatz - ähnlich wie Goethe 250 Jahre später. Einen Denkzettel beispielsweise verpassen wir uns erst, seitdem Luther über Fragen der Übersetzung brütete und in Ermangelung geeigneter Begriffe eigene formte.   

In Deutschland führte die Reformation dazu, dass eine zweite Amtskirche neben der römisch-katholischen entstand; die protestantische. Natürlich war dieser Vorgang konfliktreich und überaus schmerzhaft. Man denke nur an die Bauernkriege oder den Dreißigjährigen Krieg zwischen 1618 - 1648. Man lernte aber dann doch, miteinander umzugehen und sich zu tolerieren. Dies lag nicht zuletzt daran, dass die Reformatoren durchsetzten, dass die menschlichen Angelegenheiten auf Erden von einem weltlichen Recht geregelt werden müssen. Dies braucht eine Obrigkeit, die wiederum von den Menschen anerkannt werden muss. Dafür warben sie. Religiöse Konfliktparteien können sich im 21. Jahrhundert hieran ein Beispiel nehmen oder besser: Sie sollten es...

Über einige Umwege inspirierte und inspiriert Luther großartige Kunst; ein musikalischer Bogen etwa lässt sich von Heinrich Schütz über Johann Sebastian Bach bis zu Beyoncé schlagen, deren Rhythm & Blues- Musik (wie so vieles andere) aus dem protestantischen Gotteslob kommt. Möge der anstehende Reformationstag ein Anlass sein, Luther zu gedenken und gute Musik zu hören!