Unsere Schule

Wer war Bertha von Suttner? Wüssten Sie es? Sicherlich, Bertha von Suttner ist die Namensgeberin unserer Schule, doch kaum einmal jemand weiß darüber hinaus sehr viel mehr über diese bemerkenswerte Frau. An sich ist das seltsam, denn Bertha von Suttner erlangte spätestens durch die Verleihung des Friedensnobelpreises Weltruhm. Hiermit ist schon angedeutet, weshalb sich die Gründungsväter (es waren wirklich in erster Linie "Väter", nicht "Mütter") der Gesamtschule für sie als Namenspatronin entschieden haben.   Seit jeher ist Bertha von Suttner nicht nur Name, sondern auch Programm unserer schönen Schule- die Erziehung zu Toleranz und Friedensliebe ist eine Säule unserer pädagogischen Arbeit. Eindrucksvoller Beleg hierfür ist unser professionell betreutes und geleitetes Streitschlichterprogramm, welches mehr und mehr auch von anderen Dormagener Schulen in ähnlicher Form initiiert wird. Doch zurück zur Ausgangsfrage: Wer war Bertha von Suttner? Im folgenden erfahren Sie mehr über ein bewegtes Leben und ein bewegendes Beispiel gelebten Friedenwillens.  "Bertha von Suttner ist bei der Nachwelt das seltsame Los zuteil geworden, eine der populärsten und zugleich ungekanntesten Persönlichkeiten zu sein", heißt es im Vorwort zu ihren 1968 von Fritz Böttger herausgegebenen "Lebenserinnerungen". Die Popularität Bertha von Suttners läßt sich leicht an Briefmarken (und neuerdings auch an Euro- Münzen) auf denen ihr Konterfei gedruckt ist, oder an Straßen und Plätzen, die ihren Namen tragen, oder eben an Schulen, die nach ihr benannt wurden, ablesen. Auch die Gesamtschule der Stadt Dormagen heißt seit Anfang 1996 "Bertha-von-Suttner-Gesamtschule", was die Verpflichtung nach sich zieht, der oben genannten Unkenntnis über die Persönlichkeit Bertha von Suttners entgegenzuwirken. Wer also war Bertha von Suttner? Konsultiert man in dieser Frage die übliche Quelle, nämlich das Lexikon, so erhält man folgende Auskunft: "Suttner, Bertha von, geborene Gräfin Kinsky, Schriftstellerin, geboren in Prag, 9.6.1843, gestorben in Wien, 21.6.1914, seit 1876 verheiratet mit dem Romanschriftsteller Freiherr Arthur Gundaccar von Suttner (1850 - 1902), schrieb Gesellschaftsromane, erregte Aufsehen mit ihrem Roman "Die Waffen nieder!" (2 Bände, 1889), einer Kundgebung der modernen Friedensbewegung. Sie gründete 1891 die "Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde" und war Vizepräsidentin des internationalen Friedensbüros in Bern. Friedens-Nobelpreis 1905." Nach dieser Lektüre fragt man sich allerdings unweigerlich: Kann es das denn schon gewesen sein? Nein, natürlich nicht, denn die hier aufgezählten Begebenheiten aus dem Leben der Bertha von Suttner sind ja doch nur der äußere Ausdruck dessen, was diese Frau geleistet hat. Zunächst einmal sollte man nicht vergessen, daß Bertha von Suttner eine Adelige war, allerdings mit dem kleinen Makel, daß ihr Stammbaum für die hochadelige Gesellschaft durch die nicht ganz so adelige Herkunft der Mutter getrübt war. Trotzdem versuchte Bertha von Suttner zunächst den Erwartungen dieser Gesellschaft gerecht zu werden, was für eine Frau bedeutete "eine gute Partie zu machen". Nach einigen wenig erfolgreichen Anläufen beschließt sie dreißigjährig, daß es damit nichts wird. Hinzu kam, daß die Familie Kinsky nach dem frühen Tod von Berthas Vater nicht sonderlich geneigt war, Mutter und Tochter finanziell großzügig zu unterstützen. Nach drei Jahrzehnten waren die Mittel weitgehend aufgebraucht. Bertha entschloß sich zu einem für Frauen ihres Standes damals ungewöhnlichen Schritt: sie suchte sich eine Arbeit und fand sie als Gesellschafterin und Erzieherin der Töchter des Freiherrn von Suttner. Während dieser Anstellung lernte sie auch den Sohn der Familie, Arthur, kennen. Zwischen ihr und dem sieben Jahre jüngeren Mann entwickelte sich bald eine tiefe Zuneigung. Die Familie aber konnte ihre Liebe zu Arthur nicht tolerieren, und Bertha mußte ihre Stellung aufgeben. Sie fand eine neue Anstellung in Paris. Aber schon nach wenigen Wochen kehrte sie von der Sehnsucht getrieben nach Österreich zurück und heiratete Arthur von Suttner heimlich in einer Vorstadtkirche. Wohlwissend daß sie sich mit dieser Liebesheirat über alle Konventionen ihrer Gesellschaftsschicht hinweggesetzt hatten, verließen die beiden noch am Tag der Heirat Wien und Österreich und fuhren in den Kaukasus, wo sie die nächsten Jahre verbringen sollten. Einmal im Kaukasus angekommen, standen die beiden vor demselben Problem wie Bertha Jahre zuvor schon: Sie brauchten Geld. Dieses beschafften sie sich durch Privatunterricht und Arthurs Arbeit in einer der ortsansässigen Firmen. Mit dem Ausbruch des Russisch-Türkischen Krieges allerdings versiegten diese Quellen und die beiden wandten sich verstärkt einer weiteren Geldquelle zu: dem Schreiben von Artikeln und Romanen. Damit sie überhaupt etwas "Richtiges" schreiben konnten, widmeten sie sich dem intensiven Studium sowohl sozialwissenschaftlicher als auch naturwissenschaftlicher Natur. Bertha von Suttners Herangehensweise an die theoretische Auseinandersetzung zeichnet sich dabei durch eine Genauigkeit aus, die selbst die meisten männlichen Kontrahenten in den Schatten stellt: Sie prüft nicht nur das einzelne Argument, sondern sie prüft die logische Verknüpfung mehrerer Argumente genauso, wie sie versucht die Bewegungen des Gedankenganges nachzuvollziehen: "Diesen Mangel an Folgerichtigkeit, an logischer Ehrlichkeit, lassen sich all jene zuschulden kommen, welche aus uneingestandenen Gründen - oder auch ohne Gründe, bloß instinktiv - eine Sache vertreten und hier alle ihnen je zu Ohren gekommenen Phrasen und Gemeinplätze benutzen, welche zur Verteidigung der betreffenden Sache in Umlauf gesetzt worden sind. Daß diese Argumente von den verschiedensten Standpunkten ausgehen, daß sie daher einander nicht nur nicht unterstützen, sondern mitunter geradezu aufheben, das ist jenen einerlei." (Bertha von Suttner in "Die Waffen nieder!") Den hier gestellten Anspruch der argumentativen Aufrichtigkeit hat Bertha von Suttner natürlich auch an sich selbst gestellt, was ihre Texte auch heute noch lesenswert macht. "Die Waffen nieder!" wurde kurz nach der Rückkehr der Suttners aus ihrem zehnjährigen kaukasischen Exil veröffentlicht. Dabei war es gar nicht so leicht, zu der Zeit einen Verleger zu finden, der das Risiko eingehen wollte, einen Anti-Kriegsroman zu veröffentlichen. "Dieser Gegenstand interessiert unser Publikum nicht", war die lapidare Auskunft, die Bertha von Suttner von den angeschriebenen Verlagen erhielt. Ihrer Zähigkeit ist es zu verdanken, daß der Roman schließlich doch in einer Auflage von 1000 Stück erschien. Allerdings entwickelte er sich entgegen aller Voraussagen zu einem "Renner", und bald mußten neue Auflagen gedruckt werden. Für Bertha von Suttner war der Erfolg dieses Romans der Beginn ihrer Karriere als Friedenskämpferin. Anfangs hatte sie gegen solch ein Unterfangen zwar einige Bedenken, besonders wegen ihres Alters: sie war inzwischen 46 Jahre alt; aber waren diese Bedenken erst einmal vom Tisch, widmete sie sich mit all ihren Kräften "der Sache". Und das war für eine Frau der damaligen Zeit nicht nur ungewöhnlich, sondern geradezu unerhört: Frauen hatten weder ein Wahlrecht noch durften sie politischen Vereinigungen angehören oder gar vorsitzen. Bertha von Suttner aber gründete munter die "Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde" - als gemeinnützigen Verein, denn dort durften Frauen Mitglied sein. Auch bei den Haager Friedenskonferenzen war sie dabei - hinter den Kulissen, denn vor den Kulissen waren Frauen nicht erwünscht. So hat sie geschickt die gültige Gesetzeslage genutzt, um zu tun, was sie als Frau eigentlich nicht tun durfte. Ressentiments gegen "den Mann" hat sie dabei nie gepflegt, ihr kam es immer darauf an, was einer sagte oder tat, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Schichtzugehörigeit oder Nationalität, womit sie ein höchst modernes Menschenbild pflegte. Bertha von Suttners Einsatz für ihr Ziel einer vom Krieg befreiten Völkergemeinschaft war total. Neben dem regelmäßigen Schreiben von Artikeln, hat sie immer wieder die Diskussion gesucht, sowohl mit den konservativen Herrschenden als auch mit den Sozialdemokraten. Sie hat neben der Gründung der Östereichischen Friedensgesellschaft an der Entstehung der Deutschen Friedensgesellschaft mitgewirkt und Deutschland auf Vortragsreisen besucht. Bereits 70jährig fuhr sie auf eine Vortragsreise in die USA, was mangels Flugverkehr von der Belastung her mit Reisen in der heutigen kaum vergleichbar ist. Weder die vielen Karikaturen, die sie und ihr Anliegen ins lächerliche zogen noch die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft haben sie davon abhalten können, von der einmal als richtig erkannten Sache, dem Erhalt des Friedens, Abstand zu nehmen. Sie demonstriert damit ein Engagement und eine Standfestigkeit, die man sich für friedenserhaltende Zwecke auch heute wünschen würde. Mit ihrer eigenen Entwicklung von der "eine gute Partie"-suchenden Adelstochter zur Frau, die politische Vorträge hält, hat Bertha von Suttner praktisch vorgemacht, wie man sich gegen alle widrigen Umstände von Zeit und Raum emanzipiert. Sie hat den Krieg nicht verhindern können. Sie hat aber trotz aller Rückschläge in einer Zeit, die den Krieg ideell vorbereitet hat, nie aufgehört, für ihre Ziele zu kämpfen. Diese Tatsache allein macht sie zu einer würdigen Namensgeberin für Gesamtschulen in der heutigen Zeit. платья оптом купитьреєстрація логотипуподаткова консультація